Der Bürgerkrieg in Mexiko

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el flaco
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Re: Theorie vs. Praxis

Beitrag: #57062 el flaco
Fr Apr 03, 2015 1:26 pm

orly hat geschrieben:Grau ist alle Theorie. Was ich bisher in der Praxis hier erlebt habe sprengte meine Vorstellung.
Deine Einschätzung teile ich nicht. Früher gab es mal zwei starke Kartelle, heute hat auf diesem Gebiet ein enorme Fragmentierung stattgefunden, inzwischen sind es mindestens ein halbes Dutzend Gruppen die kleinere Gebiete kontrollieren. Allerdings scheinen sich diese Gruppen langsam ihrer Territorien sicher zu sein, die Grenzen sind gezogen.
Aber das Geschäftsmodell ist bei allen in etwa gleich : Drogenherstellung und Vertrieb, Waffenhandel, Entführungen, Erpressung, Schutzgeld, Geldwäsche, Bergwerke, Menschenhandel, Organhandel um nur einiges zu nennen. Allein über den Hafen Lazaro Cardenas wurden rund 15 Mio. US $ mit Eisenerzexport por Monat verdient, bzw. mit Billigtextilien aus China bezahlt.

Naja, so wie ich die Lage einschätze, gibt es zwar eine Vielzahl an Gruppen, diese sind aber mittlerweile alle mehr oder weniger den zwei großen Kartellen verbunden und bekriegen sich untereinander schon mal deutlich weniger. Das ist schon mal ein Fortschritt. Vor einigen Jahren waren es ja noch eine Vielzahl an Kartellen, die wirklich um jedes Dorf gekämpft haben um ihr Territorium abzustecken.
Mittlerweile scheinen, wie du ja schon sagtest, die Grenzen gezogen. Und beiden Seiten geht es in der momentanen Situation blendend. Keine der beiden Seiten wird es wagen in einen offenen Konflikt mit der anderen zu gehen und womöglich ihren Vormachtsstatus zu verlieren und anderen Organisationen zu erlauben in ihrem Gebiet Fuß zu fassen.
Gerade hier im Staat Chihuahua war es zuvor "la linea" die alles kontrolliert hat. In den vergangenen Jahren, als Juarez Cd. hier traurige Rekorde in Mordraten etc. aufgestellt hat, versuchten die Herren aus Sinaloa den Staat und die wichtigen Grenzpunkte hier für den Schmuggel unter Kontrolle zu bekommen. Seit 2013 ist der Krieg weitestgehend vorbei, das Juarez Kartell hat hier nicht mehr viel zu melden und hat sich offiziell zur "Filiale" der Zetas erklärt. So ging es auch mit zahlreichen anderen Kartellen.
Ob man sich von Seiten des Staates und auch der Bevölkerung nun mit der Situation anfreundet (kleineres Übel als zuvor) oder wirklich auf Konfrontationskurs geht, ist natürlich eine schwierige Frage. Meines Erachtens nach kann Mexiko alleine das Problem eh nicht in den Griff bekommen. Da wären die US Amerikaner etwas in der Bringschuld, da sie das Ganze Elend hier mit verursacht haben bzw. dies immer noch tun. Stichwörter: Grenzzäune, größter Drogenabsatzmarkt der Welt, Ausbeutung der Ressource Arbeitskraft vor der eigenen Haustür, Maquiladoras, Preisdruck, Waffengesetze. Aber die Diskussion darüber sprengt hier den Rahmen glaube ich :lol:
Naja und was die anderen, kleineren Vereine wie diese Mara Leute etc. hier veranstalten sollte doch irgendwie von der Polizei in den Griff zu bekommen sein.


Aber vielleicht ist es gerade die Erkenntnis, das das Leben morgen schon zu Ende sein kann, welche die Lebenslust und Lebensfreude enorm steigert.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das ist in der Tat ein Aspekt den ich aus der Perspektive noch nicht bedacht habe. Schade dass ich keinen Vergleich zum Leben in Mexiko habe, als die Welt hier vor ein paar Jahren noch weitestgehend in Ordnung war :(

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kurtchen
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Beitrag: #57167 kurtchen
Sa Apr 11, 2015 9:42 am

Ich hatte das Thema Mal mit Spaniern diskutiert.

Übereinstimmende Meinung: Nur eine knallharte Milttärdiktatur kann
die Drogenkriege und Korruption beenden.

Diese kann nach einigen Jahren in eine Demokratie übergehen, bis dahin sind die Drogenkartelle erledigt.

Jemand wie Franco oder Pinochet.
Henry und Spassi - Eure Expertise fehlt im Forum !

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Oryx
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Beitrag: #57177 Oryx
Sa Apr 11, 2015 11:29 am

IslaDelEncanto hat geschrieben:Mexiko ist groß.. es gibt andere Orte zum Besuchen.

Ich wollte nur mal sagen, dass man manchmal ein bisschen "hinter" die Nachrichten schauen sollt.

Oder eben keine Nachrichten schauen. ;) So wie Siggi - und auch ich. Warum sollte ich mich jeden Tag von irgendwelchen schlechten Nachrichten runterziehen lassen? Von denen man meistens nicht mal weiß, ob sie stimmen und wenn ja, wie viel davon stimmt.

Gerade hier mit Afrika sehe ich das ja immer wieder (und mit Mexiko wird es nicht anders sein): Was in der Presse steht, hat nichts mit der Realität zu tun. Also kann man die Nachrichten auch gleich Nachrichten sein lassen und sich anderen Dingen widmen. Zeitungen usw. sind für mich nur Zeitverschwendung. Ich mache es wie Siggi: Ich recherchiere, wenn mich ein Thema interessiert. Von Mexiko habe ich jetzt hier zum ersten Mal gelesen, aber Mexiko geht mich eben auch überhaupt nichts an. Was habe ich davon, wenn ich weiß, was in Mexiko los ist?

Wie üblich werden das die üblichen Sachen sein, Korruption, Verteilungskämpfe, Kriminalität ... Das wird auch nicht besser, wenn man darüber liest. Ändern kann man daran nichts, solange sich die Menschen nicht ändern. Und das werden sie nicht so schnell, ob in Mexiko oder sonstwo.


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